LIMA Straßenbahnmodelle H0

Rahmenbruch und Zinkpest

Hier möchte ich den Freund und Sammler der Lima Straßenbahnen auf zwei sehr unschöne Dinge aufmerksam machen, die mir in den Jahren aufgefallen sind. Ich habe in Foren bisher nur wenig darüber gelesen, aber da schweigt offenbar der Betroffene lieber still, da er vielleicht auch denkt, dass er selber Blödsinn gemacht hat. Daher zuerst der Mangel Nr. 1, der Bruch des Verbindungszapfens zum mittleren Drehgestell.

Das Limamodell ist ja so aufgebaut, dass sich die beiden Gussteile (Rahmenteile) des A- und des B-Teils auf dem mittleren Drehgestell abstützen und dort von einer Schraube von oben gehalten werden.

Dabei sind die beiden Verbindungsausleger der beiden Bodenteile in unterschiedlicher Höhe angebracht und überlappen sich so auf dem Kunststoffzapfen des mittleren Drehgestells. An sich eine sinnvolle und einfache Methode, bewährt in vielen Modellen verschiedener Hersteller.

Nur ist bei Lima der Verbindungsausleger sehr dünn und hat eine Dicke von gerade einmal ca. 1 mm. So kommt es immer wieder einmal vor, dass dieser bricht und damit die Verbindung der beiden Bodenteile zerstört ist.

Ein Grund für den Bruch ist zum Beispiel das Abheben des Gehäuses, hier spreche ich aus eigener leidvoller Erfahrung. Bei anderen Modellen ist man es ja durchaus gewöhnt, das Gehäuse mit den Fingern zu spreizen und dann mit den Fingerknöcheln auf den Tisch zu klopfen, bis der Metallrahmen nach unten hinausgeleitet. Dies ist aber bei den Limamodellen tödlich, dann dabei wird wohl so viel Trägheitskraft auf die Verbindung übertragen, dass sie bricht.

Daher, wenn man eine Lima Straßenbahn schon öffnen möchte, immer ganz vorsichtig den Metallrahmen herausziehen, am besten in seitlicher Lage des Modells um die Kräfte auf die Verbindung so gering wie möglich zu halten. Denn sonst hat man den Effekt, wie ich ihn links und unten (doppelter Bruch) zeigen muss. Das tut weh!

Nun muss dieser Schaden aber nicht unbedingt nur auf einer etwas groben Behandlung durch den Modellbahner beruhen. Denn ich musste nun leider die Erfahrung machen, dass bestimmte Serien der Lima Straßenbahnen wohl von dem unsäglichen Zinkfraß/der Zinkpest befallen sind. Ich bin kein Chemiker, daher bitte ich zu entschuldigen, wenn ich den Begriff nicht ganz korrekt verwende. Ich denke aber, der Modellbahner versteht, was gemeint ist. Die Zinkpest ist von alten Märklinmodellen bekannt, aber auch von neueren, wie der Köf oder dem Seetal-Krokodil. Aber auch andere Hersteller wurden nicht verschont. So zerlegen sich vereinzelt Metallrahmen älterer Piko 218er oder von Taurusmodellen, bei der Liliput DB 110 zerlegen sich Getriebeblöcke, bei Roco war der FS Schnelltriebwagen betroffen, bei Brawa die DB 232 (aber da gab es kostenlos Ersatz, bzw. Reparatur im Werk - Respekt!) und bei Klein Modellbahnen musste man die Lokomotiven ohne Befall schon suchen. Diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig. Grund war wohl in allen Fällen das Ausgangsmaterial des Zinkaldruckgusses, welches nicht den Anforderungen entsprach. So begann nach einiger Zeit das Metall sich zu verformen oder auszudehnen, wurde spröde und brach oder zerbrach ein darauf sitzendes Kunststoffgehäuse.

Wie auch immer, auch die Lima Straßenbahn scheint diese Krankheit in bestimmten Serien zu haben und dies kann auch ein Grund sein, dass die oben beschriebenen Mängel bei der Verbindung der beiden Gehäuserahmen vorkommen und die Teile verspröden und brechen.

Erste Anzeichen eines sich verformenden Rahmens - Alarm!

Aber es kommt noch schlimmer, denn mit der Zeit beginnt der Rahmen sich auszudehnen und sich zu verformen. Dies wirkt sich in einer nicht zu übersehenden Biegung des gesamten Bodenteils aus. Fast bananenartig biegt er sich an der Front nach unten, dabei platzt auch der dünne beige Lack ab. Machen kann man dann gar nichts mehr, denn dieser Verfall ist nicht aufzuhalten und hängt auch nicht von äußeren Einflüssen ab.

Hier folgt noch ein Bild, welches im Vergleich zu einem Lineal ganz deutlich zeigt, was ich meine und ich wünsche jedem, dass er davon verschont bleibt.

Da die Front des Metallrahmens ziemlich passgenau in dem Kunststoffgehäuse sitzt, führt die Verformung dazu, dass der Metallrahmen das Kunststoffgehäuse platzen lässt (den Effekt kenne ich auch von der Klein Modellbahn ÖBB 1046 zu genau). Hier das Bild einer der seltenen TVL GT6, welche genau dieses Schicksal erfahren hat. Klar, kann man einigermaßen reparieren, aber es schmerz trotzdem.

Bisher sind mir mit diesem Mangel zum Glück eigentlich nur die Modelle der 208501 (Bochum beige) und darauf basierender Sonderserien, wie die sehr seltenen TVL-Version (50 Stück Auflage) bekannt. Aber auch ein Modelle der 208040 (Bochum rot/weiß/rot) zeigen bereits Ansätze einer beginnenden Krümmung. Daher unbedingt die Augen aufhalten, die Modelle kontrollieren und das Gehäuse rechtzeitig entfernen, bevor es Schäden nimmt. Weitere Hinweise auf befallene Modellserien nehme ich gerne auf.

Der Bericht bis hierher wurde im Jahr 2016 geschrieben. Da musste ich leider die gezeigten und beschriebenen Erfahrungen machen. Danach war es einige Jahre völlig ruhig, bis im Straßenbahn Magazin 1/2021 erneut das Thema Zinkpest aufgegriffen wurde und auch hier die Lima Straßenbahn das unrühmliche Beispiel war. Der Bericht, bei dem das Modell der Heidelberger Volksbank gezeigt wurde, alarmierte natürlich die Besitzer des Modells. Meine beiden Heidelberger Volksbank Modelle zeigen zwar bisher keine Probleme, aber andere Straßenbahnfreunde konnten das Problem leider nachvollziehen. So hat mir Bernhard König die Erlaubnis gegeben, die Bilder seines Modells hier zu zeigen.

Der hier gezeigte Abbruch des Verbindungsstegs auf dem mittleren Drehgestell kann auch schon ein Hinweis darauf sein, dass das Gussteil arbeitet oder spröde wird.

Auf dem zweiten Bild ist ein Abbruch im Bereich des Führerstands zu sehen. Ebenfalls ein Hinweis darauf, dass das Gussstück arbeitet und dann ist höchste Vorsicht geboten, denn auch hier kam es zu einem Verbiegen des Rahmens, was nicht reparabel ist. Man kann dann nur noch das Gehäuse abnehmen, dass es nicht auch noch beschädigt wird..

Eine weitere Bestätigung, dass auch die 208040 betroffen ist, erhielt ich von Detlef Heine. Das dazu übersandte Foto zeigt auch hier deutlich, dass sich der ganze Rahmen bananenmäßig verbiegt. Das ist an sich das Ende des Rahmens. Da bleibt eigentlich nur der Ersatz durch ein aktuelles Fahrgestell von Rivarossi oder die Adaption eines Fahrgestells von Halling. Auch bei Shapeways findet man dazu inzwischen Ersatzfahrgestelle. Das Gewicht muss dann eben noch ergänzen.

Je nach Ausprägung der Biegung gibt es aber eventuell noch eine weitere Möglichkeit, die zumindst zeitwesie den Rahmen retten kann. Detlef Heine hat sich an eine Reparatur gewagt, die durchaus funktioniert hat. Hier sein Bericht:

“Es ist mir gelungen, eine Reparatur bzw. Ausrichtung des Untergestells durchzuführen. Dazu habe ich es an einer geeigneten Stelle mit einer kleinen Bügelsäge durchgesägt und anschließend die Schnittstelle, als auch das zulaufende Ende mit einer Eisenfeile so bearbeitet, dass die Aussparungen mit denen im Gehäuse übereinstimmen.”

“Anschließend wurde das Untergestell entsprechend plan und winkelig ausgerichtet und mit 2-Komponenten Metallkleber verklebt. Als Versteifung diente hier ein 1 mm Stahlblech in U-Form angepasst, welches über die Schnittstelle geklebt wurde. Dieses ist nur noch zum Teil unter der Schicht Kleber (schwarz) im Foto erkennen.”

“Zum Schluss habe ich aus Humbrol-Farben den entsprechenden Farbton gemischt und die Ausbesserungsstellen damit lackiert. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und hoffe, dass diese Dokumentation zur Anregung dem einen oder anderen Bastler dienen kann, sein Modell wieder flott€ zu machen.”

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