LIMA Straßenbahnmodelle H0

Geschichte

Straßenbahnmodelle führten lange Jahre ein Schattendasein auf dem H0-Markt. Die ersten Modelle, die weitere Verbreitung fanden waren die Hamo-Straßenbahn und die verschiedenen Varianten der GogTram (aktuell soll es von dem 4-Achser zu einer Neuauflage kommen). Ergänzt wurden diese Modelle von Liliput mit dem KSW-Zug in verschiedenen Lackierungsvarianten und von Roco mit dem Düwag Modell.

Besonders der Roco Düwag konnte viele Freunde gewinnen, obwohl hier leider ein ungünstiges (breites) Vorbild gewählt wurde. Inzwischen zählen einige der ältere Roco Auflagen schon zu gesuchten Sammlerstücken, die (wie der grün/gelbe AVG GT6 mit silbernem Dach und Einholmpanto) auch auf Börsen und Eisenbahnmärkten praktisch überhaupt nicht mehr zu erhalten sind.

Liliput KSW

Roco Straßenbahnmodelle der ersten Auflagen - zum Teil schon gesuchte Raritäten

Bei Kleinserienhersteller konnte man zwar mit Glück moderne Typen erhalten, da fällt mir z. B. Swedtram, Bec und die Schwarze Schäfchen Bahn ein, aber entweder waren diese Modelle jenseits des “normalen” finanziellen Rahmens, kaum zu bekommen oder stellten aus anderen Gründen nicht ganz zufrieden.

BEC-Bausatz eines noch nicht fertigen 4-achsigen Düwag Triebwagens

Ein günstiges Großserienmodell gab es noch von dem slowenischen (früher jugoslawischen) Hersteller Mehano. Es handelte sich um das Modell des Boeing LRV in der Lackierung von San Francisco und Boston und auch eine MC-Fachge- schäfte-Version gab es. Das Modell gab das Vorbild brauchbar wieder und ähnelte ein wenig einem Stadtbahnwagen. Es kam aber hier aufgrund des US-Vorbildes nicht zu einer größeren Verbreitung, zudem war das Modell sehr einfach gehalten (z. B. nur hinterlegte Fenster) und der Antrieb konnte nicht immer begeistern. Etwas ausführlicher habe ich diese Triebwagen auf www.bahnwahn.de/mehanotram beschrieben.

Die 3 Varianten des Boeing Light Rail Vehicle von Mehano

Noch zu erwähnen sind auch die sehr gut gestalteten Modelle von Hamann und die zwar einfachen, aber günstigen Wiener Souvenirmodelle, wo es u. a. auch schon einen GT6 gab.

Wiener Souvenirmodelle GT6

Ein Hamann-Zug mit “4711” Werbung

Wiener Souvenirmodelle GT6 als “Jubiläums-Drämmli”

Es war daher eine angenehme Überraschung, als Lima auf der Nürnberger Messe 1995 den Düwag 6-Achser als Neuheit ankündigte. Auch war bereits ein Handmuster zu sehen. An Ausführungen waren dann im Neuheitenprospekt 1995 gleich sechs verschiedene Lackierungsvarianten enthalten (Bochum, Mainz, Innsbruck, Lille, Zürich und Genf). Zu einer Auslieferung der ersten Modelle kam es dann kurz vor Weihnachten 1995.

In der Fachliteratur wurde dann in den Januar Heften 1996 über die Auslieferung des GT6 berichtet. Das Eisenbahn Magazin z. B. schrieb in der Rubrik “Neu im Schaufenster”: “Grund zur Freude, Lima-Gelenksechsachser ausgeliefert. Das Modell erfüllt manchen Trambahner-Wunsch, maßstäbliches und universell einsetzbares Fahrzeug. Die beiliegenden Anschriftenbögen führen zwar zu einiger Verwirrung (nur die Bochumer Linie 306 kann komplett angeschrieben werden), doch überzeugt das Fahrzeug u. a. durch feinst bedruckte Fensterrähmchen und sauber aufgebrachte Zierlinie.”

Auch bei der Wahl zum “Modell des Jahres” dieser Eisenbahnzeitschrift konnte das Lima Modell einen Preis erringen. So wählten die Leser in der Kategorie “Zusatzwahl” die Lima Straßenbahn, die so eine Urkunde erhielt. Dies unterstrich das große Interesse der Trambahner an neuen Modellen.

Im Katalog 1995/1996 waren ebenfalls die 6 angekündigten Modelle weiterhin mit Vorbildfotos zu sehen. Interessant war der Hinweis, dass diese fahrzeuge für 1995 in begrenzter Stückzahl produziert werden sollten. Eine tatsächlich spürbare Limitierung war jedoch dann nicht gegeben.

Das Neuheitenprospekt 1996 von Lima zeigte nun mit Modellfotos die Straßenbahnen von Lille (208498), Genf (208506) und Zürich (208507). Die bereits erschienenen Modell von Bochum, Mainz und Innsbruck waren entsprechend nicht zu sehen.

Dafür gab es mit Vorbildfotos die Ankündigung der Bochumer Straßenbahn in den Farben rot/weiß/rot (208040) und der Bochumer Partybahn (208041) als einmalige Sonderserie 1996.

Wenn man allerdings sieht, wie oft dieses Modell auch heute noch auf dem Gebrauchtmarkt zu bekommen ist, war es sicher eine ziemlich große Sonderserie.

Im Lima Katalog 1996/1997 wurden zusätzlich zu diesem beiden Modellen auch die Versionen HSB (Heidelberg) mit Vollwerbung “Heidelberger Volksbank” und Bochum mit Vollwerbung “Javaanse Jongens” als Neuheit aufgeführt.

Schon bald entschied sich ein Modellbahnladen, auf Basis der Lima Straßenbahn eine Exklusiv-Auflage fertigen zu lassen. Bereits im April 1996 wurde dieses Exklusiv-Modell für Tram-Freunde in einer Auflage von 500 Stück für Menzel´s Lokschuppen, Düsseldorf, angekündigt. Das Modell trägt die Farbe und Beschriftung der Rheinischen Bahngesellschaft mit grauen Zierlinien. Die Betriebsnummern an der Front wurden im typischen Rheinbahn-Gold mit Schatten ausgeführt. Auch der Dachbereich mit den Bremswiderständen wurde entsprechend angepasst und der Stromabnehmer vorn plaziert, da das Vorbild als Einrichtungsfahrzeug eingesetzt wurde. Auch lagen Anschriftenbögen für den Einsatz als Linie 5 zwischen Düsseldorf und Neuss bei.

Im Jahr 1996 erschien weiter ein Prospekt über die Lima Straßenbahnen (4-seitiges Faltblatt, vmtl. vom Importeur Lemke veranlasst), in dem eine Übersicht über alle Lima Straßenbahnen enthalten war. Zudem ein kurzer Artikel über den Düwag Typ und eine Modellbeschreibung. In dieser wurde darauf hingewiesen, dass aufgrund der Vielzahl von positiven Zuschriften die Serie fortgesetzt wird. Außerdem wurde darauf eingegangen, “dass es sich bei der überwiegenden Zahl der Lima-Straßenbahnmodelle um einmalige Auflagen handelt. Bitten Sie Ihren Fachhändler, frühzeitig das gewünschte Modell für Sie zu reservieren”. Zusätzlich zu den bereits in Veröffentlichungen genannten 10 verschiedenen Versionen (ohne die Rheinbahn von Menzel´s) waren vier weitere GT6 Versionen abgebildet:

Die bereits erwähnte Rheinische Bahngesellschaft AG (Sondermodell in Deutschland für Menzel´s Lokschuppen, Düsseldorf), Mainz (beige, grüner Streifen mit Werbung “Africola”), Bochum (beige, grüner Streifen mit Werbung “Sparkasse” - in Deutschland Sonderserie für die Idee+Spiel Fachgeschäfte) und Bochum (beige, grüner Streifen mit Werbung “AEG Lavamat” - in Deutschland Sondermodell für Vedes, MC und Spielzeugring).

Bei dem “Erstling”, dem Bochumer 208501 fiel auf, dass dieser jetzt die Bestellnummer 208501-1 trug. Das Modell war nun mit einer Betriebsnummer an Front und Seiten versehen.

Auch im Jahr 1997 war der Nachschub von weiteren Versionen noch nicht beendet. Schon im Januar 1997 kündigte Idee+Spiel einen GT6 in den aktuellen Farben der Gothaer Verkehrsbetriebe an. Dabei handelte es sich um eine einmalige limitierte Sonderauflage, die zu 219,-- DM angeboten wurde.

Abgebildet in der Anzeige war ein Modell mit der Betriebsnummer 592, welches als Sonderserie im Januar/Februar 1997 erscheinen sollte. Dabei handelte es sich jedoch um ein Handmuster. Erschienen ist das Modell dann als 579 mit Werbung für den Tierpark Gotha. Das Modell ohne Werbung wurde nicht gefertigt.

Dafür gab es noch einen Handzettel in DIN A4, der bei Lima Händlern ausgelegt wurde. Darin wurde der Stadtbahnwagen vom Typ M/N angekündigt, zuerst als Sechsachser. Abgebildet war mit einem Vorbildfoto die Bochumer Ausführung. Als Vorbestellnummer war 208565 angegeben worden (208585 war dann jedoch die Bestellnummer bei der Auslieferung).

Der Lima Neuheitenprospekt 1997 brachte dann weitere Versionen des GT6 und nicht nur das, die Erweiterung des Programmes wurde massiv betrieben und das Erscheinen des 8-achsigen Düwag Triebwagens (GT8) und des modernen M/N-Typs als 6-Achsers (M6) angekündigt. In der Fachpresse wurde dies ebenfalls kommentiert: “Offenes Ohr für Straßenbahnfreunde bei Lemke/Lima, denn nun ist bereits die zweite Tram-Neuheit auf dem Weg, der moderne Stadtbahnwagen des Typs M/N, der als 6-, wie auch als 8-Achser in vielen deutschen Großstädten im Einsatz ist”.

Im einzelnen wurden vom GT8 zwei Wagen aus Innsbruck vorgestellt, vom M6 wurden die Versionen Bochum, Mülheim und Nürnberg genannt. Aber auch der GT6 wurde mit fünf neuen Versionen bedacht. Neben den Bochumer Modellen in neuer Lackierung (pink/weiß/rot) und Vollwerbung “Kicker”, wurde die Palette erweitert um eine Version Genf (mit geänderter Betriebsnummer und neuem Logo der CGTE), Gent (schwarz/weiß) und Basel (grün mit Dachwerbung “Agfa”).

Im Katalog von 1997/1998 waren all diese Modelle wieder enthalten. Dazu die Versionen Bochum (grau/weiß/rot/orange), De Lijn und die Innsbrucker GT8 bereits als Modellfotos. Nur die neuen M/N-Typen wurden weiterhin mit Vorbildfotos gezeigt.

Ich denke, dass es im Modellbahnbereich selten eine derartige Variantenflut in so kurzer Zeit gegeben hat. In nicht einmal 3 Jahren erschienen bei Lima 20 verschiedene Straßenbahnmodelle. 15 vom Typ GT6, 2 vom Typ GT8 und 3 vom Typ M/N6 und das war noch nicht alles.

Als Neuheiten 1998 waren wieder zwei neue Versionen abgebildet. Zum einen erschien der GT6 in der Lackierung der Vestischen Straßenbahn, zum anderen der GT8 in der Version “Ruhrgebiet”, gelb/blau. Fast unbemerkt wurde hierbei ein geändertes Gehäuse verwendet, was dann nur noch im Modell des Ruhrgebiet GT8 mit Werbung “Jägermeister” erschien: Auf der in Fahrtrichtung rechten Seite vorne wurde statt der Einzeltür nun eine Doppeltüre wiedergegeben.

Im Lima Hobby-Line Katalog von 1998 wurde unter der Bestellnummer 106551 nun auch ein GT6 als “Düwag Straßenbahn Souvenir” angeboten. Dabei handelte es sich nach der Abbildung um ein beiges, unbeschriftetes und unmotorisiertes Modell, was auch gut für Dioramen oder als Ladegut eingesetzt werden konnte.

Im April 1998 konnte dann in Anzeigen des Fachhandels eine weitere Lima Straßenbahn entdeckt werden, obwohl diese nicht in den Katalogen erwähnt wurde. Es handelte sich dabei um einen beigen GT6 mit schwarzem Streifen in Ausführung der BVG (Berlin) mit Werbung für das KaDeWe.

Aufgrund der Bestellnummern müssten aus der gleichen Zeit auch zwei weitere Straßenbahnmodelle stammen, die zumindest in deutschen Katalogausgaben nicht zu finden sind. Zum einen eine limitierte spanische Version in der Lackierung creme/rot mit Werbung “Omo” und Dachwerbung für “Anis del Mono”. Zum anderen eine holländische Ausgabe in hell- und dunkelblau mit Vollwerbung für die “Postbank”.

Der Neuheitenprospekt 1999 beinhaltete lediglich eine neue Straßenbahn. Es handelte sich hierbei jedoch um den M/N-Typ in 8-achsiger Ausführung. Ein Typ, welcher bisher nicht im Lima Straßenbahnprogramm vorhanden war. Es wurde als Dortmunder M8 mit Vollwerbung “Maggi” gezeigt. Im folgenden Hauptkatalog 1999 war der M8 “Maggi” jedoch nicht enthalten (ist aber erschienen), dafür kündigte man den M8 in Vollwerbung “DAB” an.

In der Folgezeit erschienen die Neuheitenprospekte für 2000 und 2001. Wie bekannt, gehört Lima nun zusammen mit Rivarossi, Arnold, Jouef und Pocher zu einem Konzern. Aufgrund der Umstrukturierungen kam es dabei zu Problemen mit der Auslieferung von Modellen.

Daher wurde es auch ruhiger um Straßenbahnneuheiten. Als Neuheiten 2000 wurden “nur” drei weitere Versionen angekündigt. Der bereits bekannte GT8 in der gelb/blauen Ausführung Ruhrgebiet erhielt eine “Jägermeister” Werbung, wobei die Wagennummer zu der Ausführung ohne Werbung leider nicht geändert wurde. Außerdem wurden als Originalfotos ein GT6 in beige mit grünem Streifen und “Wicküler” Werbung vorgestellt und ein M8 in Mainzer Lackierung beige/orange mit Werbung für die “Mainzer Volksbank”. Diese Ankündigung wurde im Neuheitenprospekt 2001 wiederholt, zusätzlich wurde hier wieder der M8 Dortmund mit Vollwerbung “Maggi” abgebildet, der als Neuheit 1999 bezeichnet wurde.

All diese Modelle sind in dieser Zeit trotz der Lieferprobleme von Lima nach Deutschland gelangt, wenn zum Teil auch in nur kleinen Stückzahlen.

Der Lima Katalog 2001 (wohl der dickste Lima Katalog, der je erschienen ist und im Querformat den Roco und Märklin Katalogen fast ebenbürtig) zeigte folgende Straßenbahnen im etwas reduzierten Angebot:

GT6: 208040 Bochum rot/weiß, 208041 Bochum “Party”, 208502 Mainz, 208506 Genf, 208557 Bochum “Javaanse”, 208631 Vestische grün, 208670 Vestische “Wicküler”

GT8: 208622 Essen, 208653 Essen “Jägermeister”

M/N6: 208585 Nürnberg, 208586 Mülheim, 208587 Nürnberg

M/N8: 208622-2 Dortmund “DAB”, 208645 Dortmund “Maggi”, 208669 Mainz

Die Umstrukturierung des Lima/Rivarossi/Arnold/Jouef/Pocher-Konzerns und die damit verbundenen Probleme fanden jedoch kein Ende. Immer wieder gab es neue Ankündigungen und Gerüchte. Sei es die Einführung eines telefonischen Kundenservice auch für den Endverbraucher, sei es die Aussage von Händlern, dass sich die Preise im Einkauf fast verdoppelt hätten oder keinerlei neue Lieferungen trotz Bestellungen eingegangen wären und dann Lima alle Rückstände storniert hätte. Ich kenne nicht die Wahrheit, aber an einigem dürfte ein Körnchen davon dran sein. So verschwand bei immer mehr Händlern in Deutschland das Lima Programm über Sonderpreise aus den Regalen und wurde nicht mehr nachgefüllt.

Auf der Messe Modellbahn Süd 2001 in Stuttgart war Lima vertreten und der GT6 “Wicküler” am Stand zu sehen. Später wurden interessierte Händler zum Firmensitz nach Brescia eingeladen und dort das neue Marketingkonzept vorgestellt. Bilder davon waren zeitweise auf der Lima Homepage eingestellt. Im Neuheitenprospekt 2002 und im Katalog France 2002 waren dann keine Straßenbahnen mehr zu finden. Zum Jahresanfang 2003 verdichteten sich plötzlich die Gerüchte, dass der Konkurs unmittelbar bevorstehe. Dieser konnte aber zumindest damals noch abgewendet werden.

Zur Spielwarenmesse in Nürnberg 2003 zeigte sich auch wieder der Lima/Rivarossi/Arnold Konzern (der Name Jouef sollte verschwinden) mit einem neuen Katalog. Dieser stellte schon den Markennamen Rivarossi in den Vordergrung und nur ein kleines Lima/Jouf-Logo zierte die rechte untere Ecke. Er war ahnlich dick wie der Vorgänger von 2001 und es waren auch wieder Straßenbahnmodelle enthalten:

GT6: 208040 Bochum rot/weiß, 208041 Bochum “Party”, 208506 Genf, 208557 Bochum “Javaanse”, 208631 Vestische grün, 208670 Vestische “Wicküler”

GT8: 208622 Essen, 208653 Essen “Jägermeister”

M/N8: 208622-2 Dortmund “DAB”, 208645 Dortmund “Maggi”, 208669 Mainz

Verschwunden waren die M/N6 Typen und der GT6 208502 Mainz.

Auch 2003/2004 blieb die Unsicherheit und der Lima/Rivarossi Konzern dümpelte irgendwo im Niemandsland. Im Winter 2003 gab es dann Gerüchte, wonach das Programm in Teilen von anderen großen Modellbahnherstellern übernommen werden soll. So war die Rede davon, dass Roco das H0 Europa Programm kauft, Trix die N-Modelle. Dies bewahrheitete sich jedoch nicht. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse war Lima vertreten, wenn auch ohne große Neuheiten (schon gar nicht bei den Straßenbahnen) und noch immer ohne eine klare Zukunftsperspektive. Es erschien aber zur Messe wieder ein großer Katalog, der auch Straßenbahnen beinhaltete. Jedoch war das Programm im Vergleich zum Vorjahr weiter geschrumpft:

GT6: 208557 Bochum “Javaanse”, 208631 Vestische grün, 208670 Vestische “Wicküler”

GT8: 208622 Essen, 208653 Essen “Jägermeister”

M/N8: 208669 Mainz “Volksbank”

Im Dezember 2004 hatte dann die englische Firma Hornby den ganzen “Limarossi-Konzern” (Lima, Rivarossi, Jouef und Arnold) komplett übernommen. Die Produktion einiger Modelle wurde fortgesetzt, jedoch nicht mehr in Europa. Die Standorte von Lima und Rivarossi waren Geschichte geworden.

Im Jahr 2006 erschien ein erster Hornby Gesamtkatalog. Während verschiedene frühere Lima-Modelle (zum Teil überarbeitet) erneut gefertigt werden, wie die DB V300 oder E10.0, suchte man die Straßenbahnen vergebens. Dies änderte sich auch nicht bei den folgenden Katalogen. Nur im Rivarossiteil des Katalogs von 2007 entdeckte man einen Tiefladewagen der DB, welcher mit einem B-Teil-Gehäuse einer CGTE Straßenbahn beladen war. Scheinbar lagen da noch ein paar Gehäusespritzlinge in irgendeinem Container. So blieb dem Straßenbahnfreund nur die Hoffnung, dass es vielleicht irgendwann einmal wieder neue Modelle geben könnte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt oder auch: “Wenn Du denkst, es kommt nichts mehr, fährt von irgendwo eine Tram daher”. Als man eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatte, kehrte die Straßenbahn im Neuheitenprospekt 2010 in das Rivarossiprogramm zurück. Hornby hatte inzwischen den Namen Lima weitgehend aus dem Programm gestrichen. Das H0-Programm wurde nun vollständig unter dem Markennamen Rivarossi geführt, der nach Ansicht von Hornby einen besseren Klang hatte, als die Marke Lima, die oft noch von der Frühzeit her mit Billigmodellen aus dem Kaufhaus gleichgesetzt wurde.

Dem Straßenbahnfreund war es relativ egal. Er freute sich an der Ankündigung eines beigen GT6 Bochum, der mit Werbung für Jägermeister versehen war und eines Essener M/N8 mit Vollwerbung “Essen Original”. Nach den Piktogrammen sollten die Modelle eine 8-polige Schnittstelle und Lichtwechsel weiß/rot erhalten.

Das Jahr 2010 verging jedoch, ohne dass es zu einer Auslieferung dieser Neuheiten kam. Inzwischen wurde der GT6 Jägermeister auch beim großen Elektronikversandhaus Conrad gelistet, das eine Auslieferung für Ende Januar/Anfang Februar 2011 ankündigte. Im Rivarossi Neuheitenprospekt 2011 war auch der GT6 nicht mehr zu finden. Dafür entdeckte man einen weiteren Essener M/N8, nun mit Scharlachberg Werbung. Nach dem Text ersetzte dieser den 2010 angekündigten “Essen Original”. Nach den Piktogrammen war es jetzt wieder nur ein einfacher Lichtwechsel.

Dann habe ich im April 2011 eine Information von der Intermodellbau in Dortmund erhalten. Dort hieß es am Hornby/Rivarossi Stand, dass die Modelle vermutlich erst im Sommer 2011 erscheinen und evtl. in anderen Farben. Immerhin war ein Handmuster des GT6 am Stand zu sehen.

Und es war Sommer...Ende August...und es war tatsächlich das Jahr 2011 als der langerwartete GT6 dann endlich bei den Händlern lag. Es hatte also doch noch geklappt. Tatsächlich war es auch ein GT6, der mit Jägermeister Werbung versehen war. Es war jedoch kein Wagen der Bogestra, sondern der Vestischen mit der Wagennummer 377. Der Wagen hatte zusätzlich auch noch Dachwerbung erhalten. Grundsätzlich stammten die Formen von Lima und erfuhren keine Überarbeitung. Auch der Rahmen war absolut identisch und am Antriebskonzept änderte sich nichts.

Dennoch gab es natürlich Veränderungen. So fand sich jetzt im A-Teil eine Elektronikplatine mit einer 21-poligen Schnittstelle, leider durch die Fenster gut sichtbar. Auf einen funktionsfähigen Stromabnehmer wurde entgegen der Ankündigung im Katalog verzichtet und auch der kleine Lampenring um die Lampeneinsätze der Frontlampen wurde weggelassen, dafür wurde die Lampenvertiefung silbern lackiert. Die Bedruckung des Modells war sauber, detailliert (auch im Fensterbereich) und scharf. Es wurden nun auch weitere Lüftungsgitter auflackiert. Allerdings wirkte der für die Jägermeister Werbung verwendete Orangeton (für mich) viel zu rötlich. Auch der früher beiliegende kleine Puffer für die Rammbohle war nun unverständlicherweise nicht mehr als Zurüstteil dabei. Statt dem bisherigen Bühler Motor kam nun ein etwas längeres Exemplar zum Einbau, dafür entfiel die kleine Schwungmasse.

Dennoch oder deshalb wirkt das Fahrverhalten bei der Neuauflage deutlich besser. Auch scheinen die Zahnräder nun besser abgestimmt zu sein. Zumindest hier hatte sich etwas getan. Weiter haben die Räder nicht mehr dieseextreme Brünierung, was wohl auch für eine bessere Stromabnahme sorgt. Apropos Stromabnahme. Bei den früheren Lima Modellen erfolgte diese ja vom vorderen und mittleren Drehgestell - nur eine der letzten Auflagen, der “Wicküler”, hatte zusätzlich auch das hintere Drehgestell verkabelt. Das Rivarossi Modell nimmt den Strom nun vom mittleren und hinteren Drehgestell ab. Das vordere Antriebsdrehgestell dient nicht mehr zur Stromabnahme.

Ein Wehmutstropfen war dann noch, dass die absolut problematische Gehäusebefestigung mit den Lichtleitern der Frontlampen nicht geändert wurde. Da wäre wirklich Raum für Verbesserungen gewesen. Aber zum Öffnen des Wagens schweigt sich dann auch die Bedienungsanleitung lieber aus, Schnittstelle hin oder her. Immerhin gab es endlich wieder einen GT6, wenn auch Licht und Schatten zu sehen waren.

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