bahnwahn
Modellbahnwahn

Kurz nach dem Erscheinen des neuen Hornby Modells stellte sich auch die Frage, was sich denn ver├Ąndert hat. Ich bin froh, dass mir Hendrik Albrecht einen Bericht von seiner Hornby Krauss-Maffei Lok ├╝bersandt hat, den ich hier mit seiner freundlichen Genehmigung gerne wiedergeben will. Auch alle Fotos sind von ihm.

Lima V300 / ML2200 C'C' ist da!

Heute kam sie an, meine kurz vor Weihnachten 2005 - nach Hornbys Ank├╝ndigung, die Marke Lima wieder aufleben zu lassen - vorbestellte ML2200 C'C'. Die Lok wird im blauen Lima-Karton mit Sichtfenster und Styropor-Einsatz geliefert, und liegt in eine Folie gebettet.

Der erste Eindruck beim Auspacken ist durchaus hochwertig. Die sch├Âne seidenmatte Lackierung mag gefallen. Der dunkelblaue Lack steht der Maschine gut, ebenso der schwarze Rahmen (beim fr├╝heren Modell zu Lima-Zeiten war dieser hellgrau lackiert). Vorbild-Farbfotos kenne ich von dieser Lok in dieser Lackierung allerdings nicht.

Das Dach ist hellgrau abgesetzt, die Kontrastlackierung in H├Âhe der Fenster dagegen in Metallic-Silber, wobei die charakteristische, an den Fronten zum "V" zusammengef├╝hrte Zierlinie an der Trennkannte zum Dunkelblau in einem etwas helleren Silber schimmert als die sonstige obere Geh├Ąusebereich. Der "KRAUSS-MAFFEI A.G."-Schriftzug ist nicht erhaben ausgef├╝hrt, sondern nur aufgedruckt.

Auf den ersten Blick st├Âren die plastikhaften hellgrauen Drehgestelle, die aber durchaus nicht schlecht detailliert sind, und die blitzblanken R├Ąder. Br├╝niert h├Ątten diese vielleicht besser gewirkt. Sch├Ân sind die vier recht plastisch wirkenden L├╝fterr├Ąder im Dach nachgebildet. Auch die eingesetzten Scheibenwischer haben ihren Reiz, wirken nicht wirklich zu klobig und sind beweglich (ein Fall f├╝r Piezo-Motoren ;-). Durch die Abgasl├Âcher im Dach kann man ins Innere der Lok blicken, man sieht aber durch die schwarze Auskleidung nichts.

Nicht mehr zeitgem├Ą├č sind die angespritzten Griffstangen, aber man hat bei Hornby das Geh├Ąuse der letzten Lima-Version dieser Lokomotive wohl nicht ├╝berarbeitet. Eine entsprechende Lok aus alter Lima-Produktion liegt mir zum direkten Vergleich zwar nicht vor, die entsprechenden Bilder hier auf der bahnwahn-Seite deuten aber darauf hin.

Die Lok besitzt wie das Vorbild nat├╝rlich sechs Achsen. Die ├Ąu├čeren beiden Achsen des Drehgestells ohne Schleifer sind dabei angetrieben (eine Achse davon einseitig mit Haftreifen). Die mittleren Achsen laufen nur mit und sind seitenverschiebbar aingebaut. Warum auf am antriebslosen Schleiferdrehgestell ein Haftreifen ist - keine Ahnung! Zum Einsatz kommt weiterhin ein konventioneller Schleifer mit Schraubloch, der durchaus aus M├Ąrklin-Produktion stammen k├Ânnte.

Nur an einem der Drehgestelle scheint ein Kupplungsnormschacht angespritzt(!) zu sein. Am anderen Drehgestell ist keine Kupplung vorgesehen. Stattdessen ist die auf der einen Seite f├╝r die (hellgraue) B├╝gelkupplung durchbrochene Frontsch├╝rze auf der anderen Seite durch eine Blende verschlossen. Auch sind Bremsschlauchattrappen eingesteckt. F├╝r die Kupplungsseite sind entsprechende Teile zum Verschlie├čen der Frontsch├╝rze sowie die Schlauchatrappen in einem Zur├╝stbeutel beigelegt.

Der beiliegende Zettel darf als ungen├╝gend bezeichnet werden. Kein Hinweis auf einen/den eingebauten Decoder, weshalb sich erste Zweifel ├╝ber die Ausstattung breit machen. Au├čerdem werden nur einige "Sicherheitshinweise" aufgef├╝hrt und die "Betriebs- und Wartungsanleitung" kann man getrost als Witz bezeichnen.

Der erste Fahrtest meiner Neuerwerbung verl├Ąuft leider nicht zufriedenstellend: Auf das Gleis gesetzt rast die Lok unkontrollierbar los. Nanu? Kein Decoder eingebaut? Aber das war doch in der Ank├╝ndigung von Hornby so beschrieben...dann ein Test auf dem Analoggleis: Die Lok f├Ąhrt langsam an. Schnelles Beschleunigen f├╝hrt zu starkem Schleudern. Die H├Âchstgeschwindigkeit der Lok ist viel zu hoch und der Brocken droht aus den Kurven (R1) herauszufliegen. Die Beleuchtung durch wei├če LEDs mit deutlichem Blaustich ist etwas gew├Âhnungsbed├╝rftig. Daf├╝r erfolgt das Umschalten lautlos. Ist die Lok doch digital?

Also noch ein Test im digitalen Kreis: Diesmal kein Losrasen. Prima! Die Lok reagiert auf Adresse 3. Hier war mangels Decoder-Beschreibung Probieren angesagt. Die (ESU-Standard-)Adresse l├Ąsst mich einen LokPiloten vermuten. Aufmachen mag ich die Lok (noch?) nicht, denn schon die alten Versionen waren (laut verschiedener Testberichte im www) beim ├ľffnen und Schlie├čen mit Vorsicht zu genie├čen und sehr fummelig. Ich schlie├če daher mal meine 6021 an und versuche, wie beim LoPi gewohnt, den Programmiermodus aufzurufen. Tats├Ąchlich, es scheint ein LoPi verbaut zu sein.

Nochmal runter vom Programmiergleis und erstmal das digitale Fahrverhalten testen: Die Lok setzt sich mit leicht knurrendem Motor sehr langsam bei Fahrstufe 1 in Bewegung. Sie beschleunigt recht langsam und gleichm├Ą├čig, zeitweise aber etwas ruckelig auf die sehr hohe H├Âchstgeschwindigkeit. Auch bei mittlerem Tempo wirkt das Fahrverhalten etwas ruckelig. Der wei├če (blaue) Lichtwechsel ist nur f├╝r die unteren Lampen realisiert. F├╝r das dritte Spitzenlicht war eine neue Platine scheinbar zu aufw├Ąndig. Rote Schlussbeleuchtung gibt es nicht.

Nun versuche ich mal, der Lok ein etwas besseres Fahrverhalten beizubringen und spiele  nach einer vorhandenen Anleitung f├╝r den ESU LokPilot V2) mit den CVs. Meine eingestellten Werte:

CV1 (Adresse) = 30

CV3 (Beschl.) = 07

CV4 (Verz├Âg.) = 06

CV5 (V-max)   = 35

CV6 (V-mittel)= 16

CV53(Lastreg.)= 56

CV54(Lastreg.)= 20

CV55(Lastreg.)= 24

Die Lastregelparameter bewirken ein nun verbessertes Fahrverhalten. Es wirkt l├Ąngst nicht mehr so ruckelig. Allerdings zeigen die Fahrtests, dass die V300 bei Langsamfahrt in R1-Kurven etwas langsamer wird. Evtl. reicht hier das Seitenspiel der Mittelachsen nicht. Au├čerdem neigt die Lok beim Befahren von Bogenweichen zu gelegentlichem Schleudern und bleibt dann manchmal fast stehen. Normalweichen machen keine Probleme. Schlanke Weichen habe ich (z.Zt. noch) nicht.

Lima DB V300/230

Modelldetails und Erfahrungsbericht Hornby

Erstes Fazit nach dem ersten Tag: Den fr├╝her gern benutzte Spruch "Au├čen prima, innen Lima" kann man so nicht mehr stehen lassen. Da das Modell einen neuen Motor haben soll, au├čerdem einen NEM-Decoderschacht und LED-Beleuchtung, kann man sagen, dass das Modell einigerma├čen auf den aktuellen Stand gebracht wurde. Die Lackierung ist einwandfrei, die Beschriftung klein, scharf und gut lesbar. Gew├Âhnungsbed├╝rftig ist der deutliche Blaustich der LEDs sowie das Zweilicht-Signal. Auch das Fahrverhalten ist nicht so recht "up-to-date", zeigt es doch immer noch deutliche Lima-Schw├Ąchen. Der serienm├Ą├čige ESU LokPilot (mangels ├ľffnen des Geh├Ąuses noch eine Vermutung) ist scheinbar au Standardwerten belassen. Hier muss ich bei Zeit und Gelegenheit nochmal mit den CVs experimentieren. Das Fahrverhalten konnte mit leicht ge├Ąnderten Werten f├╝r die Lastregelung aber schon verbessert werden.

Die Lok hat mich durch Vorbestellung inkl. Versand ca. 107,- ÔéČ gekostet. F├╝r diesen Preis kann man sich ein solches Experiment schon mal erlauben. Die ca. 170,- ÔéČ, f├╝r die ich das Modell in einer Internet-Preisliste schon gesehen haben, sind f├╝r ein sch├Ânes und ausgefallenes Modell mit deutlichen Fahrschw├Ąchen aber eindeutig zuviel. Ich werde die Lok wohl behalten, denn trotz der Schw├Ąchen des Modells hat mich die gro├če Schwester der V200 in der durchaus attraktiven blauen Lackierung schon immer gereizt.