Vorbild

Bereits bei der Modellvorstellung des Halling DT8.10 vor einigen Jahren habe ich einen ganz kurzen Abriss über die Entwicklung der Fahrzeuge der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) gegeben, die zum DT8.10 geführt hatte. Weil es einfach ist und weil ich faul bin, verweise ich einfach auf meine Seite. So entwickelte sich in Stuttgart zum einen das Prinzip des Doppeltriebwagens als Fahrzeugkonzept und zum anderen die Anhebung der Bahnsteige statt die Absenkung der Innenräume. Die SSB fährt komplett hochflurig und hebt sich dadurch von vielen anderen Betrieben ab. So benötigte man aber auch spezielle Fahrzeuge, die es nicht gerade von der Stange gab.

Der DT8 (Doppeltriebwagen 8 Achsen) beruht in seinen Grundzügen auf den so genannten B-Wagen, wie sie z. B. in Düsseldorf weit verbreitet waren. Inzwischen ist in Stuttgart eine größere Anzahl von Serien entstanden, die jeweils durch die mit einem Punkt angehängte Ziffer unterschieden werden.

Dabei sind DT8.1, 8.2 und 8.3 die drei unterschiedlichen Prototypen, von denen immerhin noch zwei Fahrzeugteile im Straßenbahnmuseum zu sehen sind. Erst ab DT8.4 begann die Serienlieferung mit gewissen Unterschieden, wie zum Beispiel das Vorhandensein von Klapptrittstufen für Tiefbahnsteige.

Ab der Serie DT8.10 wurde auch der Wagenkasten verändert, was man vor allem an einer neuen Frontgestaltung deutlich erkennen konnte und ab dieser Serie waren die beiden Wagenteile auch innen durchgängig verbunden.

3501 als Fahrschule am 17.12.2013 in Stuttgart Vaihingen

3503 bei einer Sonderfahrt am 07.09.2013 in Stuttgart Möhringen

Neue Linien und Taktveränderungen brachten den Bedarf nach weiteren Fahrzeugen. Erstmals wurden dabei von der SSB bei Stadler Pankow die Fahrzeuge geordert, die zur dortigen Tango-Familie gehörten.

Im Januar 2010 bestellte die SSB 20 Züge zu einem Stückpreis von ca. 3,7 Mio. EUR mit einer Option auf 40 weitere. Die SSB benannte diese Wagen DT8.12. Nachdem die DT8.4 bis 8.9 die Wagennummern 3007 bis 3234 erhalten hatten und die DT8.10 und 8.11 die Wagennummern 3301 bis 3400, wurden die DT8.12 ab der Wagennummer 3501 bezeichnet.

Die Premiere des DT8.12 im Fahrgastbetrieb fand Ende August 2013 statt. Bei der Eröffnung der neuen U8 zum Hallschlag wurde er ebenfalls gleich präsentiert. Danach war der DT8.12 gleich auf verschiedenen Linien im Einsatz zu sehen und Nachbestellungen waren die logische Konsequenz.

So folgte den Wagen 3501 bis 3540 der ersten Serie (DT 8.12) ab dem Jahr 2017 eine weitere Serie mit wieder 20 Fahrzeugen und den Wagennummern 3541 bis 3580 (DT 8.14). Ab 2021 ging es mit den Wagen 3481 bis 3620 (DT 8.15) weiter, so dass schließlich 60 Züge im Einsatz standen.

Richtig, die “Unglückszahl 13” wurde in der Bezeichnung ausgelassen. Einen DT 8.13 gibt es daher nicht.

3508 ebenfalls am 07.09.2013, jetzt aber in Heumaden

Der DT8.12 ist keine neue Serie der bewährten DT8.10, sondern ein komplett neues Fahrzeug. Es ist eine Neukonstruktion und Weiterentwicklung der bisherigen Wagen der SSB. Dabei wurden auf den ausdrücklichen Wunsch der SSB eine Anzahl bekannter Merkmale der bisherigen Wagen übernommen, um den neuen Typ auch bei den Fahrgästen gleich familiär erscheinen zu lassen. So blieb die Innenaufteilung, Position der Türen und deren Gestaltung nahezu unverändert. Einmal abgesehen davon, dass nun Schwenkschiebetüren statt der bisherigen Außenschwenktüren zum Einsatz kamen. Die Gerätekästen unter den Sitzen entfielen und wanderten auf das Dach, was die Reinigungsfreundlichkeit deutlich erhöhte, auch wurden die Mehrzweckbereiche verändert und einige Klappsitze kamen zum Einbau. Die Spiegel wurden durch Kameras und Bildschirme ersetzt.

3508 legt sich elegant am Kreuzbrunnen in die Kurve (07.09.2013)

Der größte optische Unterschied war aber die Frontgestaltung. Der Wagenkopf war gänzlich neu und entsprach den aktuellen Normen des Aufprallschutzes. Diesen Einbauten war eine gewisse Einbautiefe geschuldet und so wurde der DT8.12 mit 39,11 m im Vergleich zum DT8.10 um etwa 55 cm länger. Eine etwas höhere Leistung (8x130 kW zu 8x 120 kW) kompensierte das gestiegene Gewicht (ca. 59 Tonnen zu 55,6 Tonnen). Die vorgezogene, rundlichere Front wirkte sehr gefällig und die Art des Kupplungseinbaus führte zu einer optischen Geschlossenheit. Die leicht eingezogenen Wagenkästen lassen den DT8.12 schmäler wirken, als er ist, da er sich in den sonstigen Maßen (Höhe/Breite) nicht vom Vorgänger unterscheidet.

Ich möchte behaupten, dass sich der DT8.12 optisch sehr gut in den bisherigen Bestand der SSB integriert und trotzdem zeigt, dass er ein neues und modernes Fahrzeug ist. Wie schon beim Schritt vom DT8.9 zum DT8.10 ist auch beim DT8.12 keine betrieblich funktionsfähige Kupplungsmöglichkeit mit den Vorgängerserien gegeben. Gemischte Doppeltraktionen wird es also weiterhin nicht geben.

3508 in voller Schönheit am 07.09.2013 am Nordbahnhof

Halling DT 8.12 Vorbild Geschichte Übersicht Details 2013 Details 2025 Vergleich 13-25