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Modellbahnwahn

Beim Kleinserienhersteller Lars Uenver, der heute unter dem Namen Malu-Tram firmiert, war schon vor einigen Jahren ein H0-Modell des GT4 erschienen. Dieses wurde in verschiedenen Varianten, auch von anderen Betrieben, Mitte 2004 letztmals aufgelegt. Das Modell gab den GT4 gut wieder, fand jedoch keine allzu große Verbreitung. Dies hatte weniger mit der Qualität, sondern vielmehr mit dem relativ hohen Preis zu tun, den eben ein Kleinserienmodell kostet. Zudem war der typische Gelenkknick nicht vorbildgetreu wiedergegeben worden. Eine Vielzahl von Straßenbahnfreunden, besonders die aus Süddeutschland, wartete daher schon lange auf eine günstigere Möglichkeit, einen GT4 zu erwerben.

Geschichte

Die in Stuttgart klassische Traktion mit führendem Triebwagen und geführtem Beitriebwagen

Nachdem vor einigen Jahren die Stuttgarter Straßenbahn (SSB) bei dem österreichischen Hersteller Halling ein Modell des neuen Stadtbahnwagens DT 8.10 fertigen lies, konnte man hoffen, dass sich diese Initiative wiederholen würde. Trotz des räumlich beschränkten Einsatzgebiets des DT 8.10, fand dieser einen guten Absatz und in vielen H0-Betriebshöfen eine neue Heimat.

Schließlich gab es erste Gerüchte, dass die SSB ein weiteres Straßenbahnmodell fertigen lassen will. Aber welches sollte es sein? Der Stadtbahntriebwagen DT 8.4 bis 8.9, von dem es nur ein Kleinserienmodell von Swedtram gab, oder der GT4? Ganz Verwegene tippten auch auf den DoT 4 (leider vergeblich ;-).

Dann wurde bekannt, dass es sich tatsächlich um den GT4 handeln würde. Sicher eine optimale Wahl, da dieser Typ in Stuttgart in 350 Exemplaren eingesetzt worden war. Die letzten GT4 fuhren zudem noch auf der Linie 15, das Vorbild konnte also noch live erlebt werden.

Bis zum tatsächlichen Erscheinen verging dann aber noch eine lange Zeit. Die Firma Halling ist kein Großbetrieb und war mit anderen Aufträgen, wie dem Kölner K5000 gut ausgefüllt. Auch soll das erste Handmuster vom Gelenksystem her die Verantwortlichen der SSB nicht ganz überzeugt haben, was weitere Verzögerungen brachte. Ich denke, dass sich die Vorbereitungen mindestens über 1,5 Jahre hinwegzogen (oder waren es gar 2,5?).

Doch es hatte sich gelohnt. Im Oktober 2004 war der GT4 dann endlich zu haben und er enttäuschte nicht. Die Anlenkung des Gelenks war dem Vorbild nachempfunden worden und das brachte das richtige GT4 Gefühl. Auch wurde das Modell nicht nur in H0, sondern auch vorbildgerecht in H0m hergestellt.

An Mitte 2005 war die Zeit gekommen, den GT4 in Lackierungsvarianten anderer Städte anzubieten. So erschienen ca. im Juni 2005 die Modelle aus Halle (gelb, sowie rot/grau) und im August folgte der Augsburger GT4. Weitere Varianten waren der dunkelgrau/grüne GT4 Halberstadt und der GT4 Halle in rot/silber. Bei den ganzen Varianten lagen die Wagennummern als Nassschieber bei, waren also nicht, wie bei den GT4 Stuttgart, aufgedruckt.

Interessanterweise tauchten inzwischen weitere Bedruckungsvariante der GT4 der SSB auf, die aber (nach Aussage der SSB) nicht von der SSB selbst bestellt worden sein sollen. Die Besitzer jedoch schwören, dass sie diese Wagen dort gekauft haben. So konnten Wagen mit den Nummern 443 und 621, sozusagen als zweite Auflage, entdeckt werden.

Das zuerst erschienene Modell der Stuttgarter Straßenbahn SSB war nur im direkten Vertrieb erhältlich (aber auch ein Versand war möglich), sowie in den Kundenzentren der SSB. Der Preis bewegte sich mit 149,50 EUR für die angetriebene Version, bzw. 98,50 EUR für den Dummy einiges über dem Vorgänger DT 8.10, aber die gelungene Ausführung ließ trotzdem Freude aufkommen. Ab Mitte 2005 soll das Modell dann auch ganz vereinzelt bei Händlern aufgetaucht sein, jedoch hat sich die SSB den Vertrieb in Deutschland vorbehalten. Die ersten Modell trugen die Wagennummern 457 und 631.

Im Sommer 2006 gab es dann Gerüchte, dass es von Halling auch eine Neuauflage mit der Nummer 424 geben soll. Obwohl ich es zuerst auch nicht geglaubt hatte, ist dieser Wagen ca. im Herbst 2006 tatsächlich erschienen. Er war möglicherweise aber nur direkt bei Halling in Wien zu erhalten. Zumindest ist mir bisher nicht bekannt, dass diese Wagennummer auch bei der SSB gekauft werden konnte.

Dann war ab Oktober 2006 aber auch eine neue Auslieferung des Modells der SSB bei den einschlägigen Verkaufsstellen in Stuttgart und der Zentrale der SSB zu bekommen. Diesmal trugen die Wagen die Nummern 413 und 428.

Im Frühjahr 2007 erschien auch die erste Auflage des GT4 in der Lackierung von Ulm, war aber sehr schnell ausverkauft. Die zweite Auslieferung folgte im April 2007 mit dem Wagen mit der aufgedruckten Nummer 10. Es ist mir bisher nicht bekannt, ob die erste Auflage eine andere Wagennummer trug.

Das immer näher kommende Ende des GT4 in Stuttgart Ende 2007 deutete dann für die GT4 Freunde auf weitere Modelle hin. Waren es erst nur Hoffnungen und dann Gerüchte, verdichten sich diese richtig heftig und es wurde wahrscheinlich, dass im Herbst zwei Modelle des GT4 der SSB mit Vollwerbung “Museum” und “Seilbahn” erscheinen würden.

Aus den Gerüchten, Vermutungen und Hoffnungen wurde Wahrheit. Die Firma Halling hatte im Auftrag der SSB die GT4 450 und 618 nachgebildet und sie vorbildgetreu mit den Vollwerbungen “Museum” und “Seilbahn” verwirklicht. Nach Schachtelaufdruck der hervorragend gestalteten Verpackung wurden sie jeweils in einer Auflage von 500 Stück gefertigt.

Im Oktober 2007 gingen die neuen Modelle der SSB als Alleinvertreiber für Deutschland zu. In den Verkauf gelangten sie erstmals in Stuttgart am 27.10.2007 bei der Hocketse (für Nichtschwaben - Hocketse bedeutet so ungefähr: “Do hocketse”, also “da sitzen sie”, was ein Zusammentreffen von Menschen bedeutet. Dies ist meistens in Verbindung mit Sitzgelegenheiten zu sehen und dem Ausschank von diversen Getränken, wie “Viertele” (ein Viertelliter Wein) und Speisen wie “A´Ro´de!” (eine rote Wurst) oder “des Krombeeragstanzzeugs”(Pommes))...äh, wo war ich...ahja, also bei der Hocketse im Betriebshof Stuttgart Bad Cannstatt. Für 155 EUR motorisiert, bzw. 105 EUR ohne Antrieb konnten dort diese Modelle erstmals erworben werden. Ca. 2 Wochen später waren sie auch bei den Verkaufsstellen der SSB zu erhalten und wurden ebenfalls verschickt.

Beim gleichzeitig stattfindenden Abschied vom Museum in Stuttgart Zuffenhausen waren die Straßenbahnen aber leider nicht zu bekommen. Da musste man also nach Cannstatt fahren. Auf österreichischen Homepages von Modellbahnshops waren die Modelle schon ein paar Tage zuvor zu sehen, jedoch auch zu relativ hohen Preisen von ca. 209 EUR.

Die neuen Modelle der Stuttgarter Triebwagen 450 und 618 waren sehr schön und sauber bedruckt, auch die Farben stimmten sehr gut mit dem Vorbild überein. Die Hocketse unter dem Schutz des GT4 Nr. 618 im Betriebshof Stuttgart-Bad Cannstatt war aber auch nicht schlecht, wie man auf dem Foto sehen kann.

Mit dem Ausscheiden des GT4 in Stuttgart wurde es zuerst einmal auch um die Modelle ruhiger. Das lag aber auch daran, dass die relativ kleine Firma Halling mit anderen Aufträgen gut beschäftigt war. Von den Stuttgarter Straßenbahnen war vorerst nicht mit neuen Bestellungen zu rechnen, zuerst einmal wollten die vorhandenen GT4 abverkauft werden. Ob eine Lackierungsvariante “Iasi” genügend Abnehmer finden würde, war auch eine gute Frage, wohl eher nicht. Dafür hielt sich aber die Hoffnung, dass es vom GT4 auch die Zweirichtungsvariante geben könnte, wie sie z. B. in Freiburg und Neunkirchen gefahren ist. Hier liefen im Frühjahr 2008 Besprechungen zwischen Herrn Rolf Hafke, ein bekannter Straßenbahnhändler und Straßenbahnfreund mit der Firma Halling, sowie ein Ausloten des möglichen Abnehmerkreises. Die Situation war im März/April 2008 so, dass die Firma Halling den GT4-ZR fertigen wollte, dies allerdings erst zum Jahresende 2008. Dabei sollten die Versionen Freiburg (beige, bzw. rot/weiß), Neunkirchen (beige, sowie evtl. mit Volksbank-Werbung) und Reutlingen (grün) entstehen. Allerdings benötigte man für neue Formen auch genügend Abnehmer, die mit ihren Vorbestellungen für die Werkzeugkosten aufkamen. Dies erfüllte sich jedoch nicht in der zuerst vorgesehenen Zeit bis Ende 2008.

Für eine freudige Überraschung sorgte zum Jahresende 2008 wieder die SSB. Es verdient schon Respekt, wie sich hier ein Verkehrsbetrieb um “sein” Modell kümmerte. Bei Halling wurde eine neue Serie des GT4 bestellt, im November 2008 an die SSB geliefert und dort ab Anfang Dezember in der Zentrale und den Verkaufsstellen zu erhalten. Diesmal waren es GT4 in der früheren Lackierung mit hellgrauem Dach und mehreren feinen Zierstreifen. Zudem wurde hier auf der türlosen Seite sogar das große vordere Fenster (statt der beiden schmalen Fenster) nachgebildet, also auch die Form verändert. Die Wagen können so dem Zeitraum Mitte/Ende der 60er Jahre zugeordnet werden. Sie erschienen mit den Wagennummern 543 (motorisiert) und 559 (ohne Motor).

Gut, wenn man den Nietenzähler auspackt, findet man die eine oder andere Unstimmigkeit. So gehört die Trennwand zum Führerstand nicht rein (kann man aber rausnehmen) und die Funkantenne war damals auch noch nicht montiert (kann man abschleifen). Die Türfenster sind etwas zu klein und die Zierlinie zwischen gelb und weiß ist etwas zu tief gerutscht, was vor allem von vorne auffällt. Beim Vorbild berührte nur die untere dünne schwarze Zierlinie die obere Lampe. Die Zierlinie zeigt teilweise auch einen deutlichen Versatz zwischen Seite und Front. Achja, müsste nicht die “4” in der Wagennummer vom 543 eine andere, nach oben offene Schriftart sein?

Wenn man den Nietenzähler aber wieder wegpackt (Straßenbahnfreunde können dies problemlos), dann freut man sich, wie schon erwähnt, über das große Seitenfenster vorne rechts, die saubere Beschriftung zu Einstieg/Ausstieg, die Doppelblinker und das ganze stimmige Erscheinungsbild des Ur-GT4.

Nun war das aber dann doch nicht alles vom GT4 im Jahr 2008. Halling legte nämlich mit den beiden Ur-GT4 noch eine kleine Neuauflage des regulären GT4 in der letzten Ausführung auf (also so, wie er bisher bekannt war). Diese Auflage trug die Wagennummer 456. Diese Modelle gingen nicht an die SSB und durften von Halling auch nicht nach Deutschland geliefert werden. Am Firmensitz waren sie jedoch zu erhalten.

Für den Sammler von Wagennummern natürlich wieder ein neues Modell, dass man in der Sammlung brauchte.

Ich hatte sie bereits erwähnt - die Bemühungen von Straßenbahnfreunden, speuiell Herrn Hafke, nach einem GT4 in Zweirichtungsausführung. Da dies aber neue Formen notwendig machte und natürlich auch der Markt auszuloten war, dauerte es eben etwas länger. Nicht 2008, sondern im Juni 2009 erschien zur großen Freude die Version Neunkirchen in beige mit grünen Streifen, deren zuerst gefertigten 120 Exemplare sehr schnell vergriffen waren, was eine Nachproduktion erforderlich machte.

Ende August 2009 war auch der Reutlinger GT4 auf dem Markt. Es erschienen auch gleich drei Modelle mit den beim Vorbild drei verschiedenen Wagennummern. Diese waren aufgedruckt worden. Es gab diese Modelle in einer Auflage von ca. 40 Stück je Wagennummer und dann noch jeweils mit oder ohne Stadtwappen von Reutlingen auf der Seitenwand.

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