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Modellbahn-Wahn

Vorwort

Mit der Lima Ae 6/6 der SBB kommt meine zweite kurze Übersicht über eine Modellfamilie eines Herstellers (nach den Mehano Boeing-Trams) nun online. Weitere werden (hoffentlich) folgen, die sich auf die wesentliche Daten beschränken und damit einfach einen kurzen Überblick über ein Modell geben sollen.

Lima SBB Ae 6/6

Vier Köpfe auf einen Blick (die schwarze Pufferbohle der 11520 (2.v.r.) ist nicht original

Lima Ae 6/6??? Ich höre es schon: Schlecht detailliert, unsaubere Beschriftung, hochhackig, ausschwenkende Schienenräumer; Spielzeug, Saurier usw.. Stimmt, doch was soll´s. Man darf nicht vergessen, dass dieses Modell zu einer Zeit erschien, als es außer den Märklin, Fleischmann und Kleinbahn Modellen keine anderen Alternativen gab. Da war das für den Gleichstromer eine neue, preiswerte und in den Hauptmaßen stimmigere Lok. Mit etwas bastlerischem Geschick konnte man zudem den optischen Eindruck deutlich verbessern, was sogar einer Modellbahnzeitschrift einen Bericht wert war. Klar, mit dem Erscheinen der Roco Ae 6/6 war dieses Modell auf dem Abstellgleis gelandet, aber ich möchte ihr hier trotzdem ein kleines Denkmal setzen.

Lima hat von dem Modell verschiedene Versionen herausgebracht. Es gab zwei grüne Städteloks, eine grüne Kantonslok und eine Version in Swiss-Express Lackierung, die es jedoch bei der Ae 6/6 nie gab. Auch ist eine Lok in der roten Farbgebung der SBB erschienen, vmtl.aber nur in einer Zugpackung. Dieses Modell war noch weiter vereinfacht, hatte keinen schwarzen Rahmen und auch keine extra angesetzten Isolatoren und Dachleitungen.

Modellgeschichte

Ein Blick in den Katalog von 1973/74

Katalog 1983

Erstmals wurden von Lima im Katalog 1973/74 die 11493 und die 11103 als Neuheiten abgebildet. Diese beiden Modelle waren bis auf die Betriebsnummer und natürlich die Farbgebung gleich bedruckt. Es gab zwar nie eine Ae 6/6 in der Farbgebung des Swiss-Express, aber das nahm Lima nicht so genau. Immerhin wurde dafür wieder die Betriebsnummer für eine Swiss-Express Lok der Baureihe Re 4/4 richtig gewählt und passend dazu ein Stromabnehmer weggelassen. Wie man am Modell sieht, hätten diese Farben auch der Ae 6/6 gut gestanden.

Ab 1980/1981 wurde unter der gleichbleibenden Bestellnummer 208046 statt der 11493 Sissach nun die 11520 Langnau I.E. angeboten. Die bisher aus hellgrauem Plastik gespritzten Drehgestellblenden wurden nun in der Farbe anthrazit hergestellt, was der Lok gleich ein besseres Aussehen verlieh. Die Swiss-Express 11103 war zwar 1981/82 nicht mehr imKatalog, kam danach aber wieder in das Programm.

Als Neuheit 1983 wurde die 11424 Neuchatel vorgestellt, die nun als Kantonslok den silberfarbenen Streifen und den “Schnautz” an der Lokfront aufwies. Dieser war aber nur auflackiert und nicht erhaben ausgeführt. Die Beschriftung war nun silbern und nicht mehr in weiß.

Ab 1985 wardie Swiss-Express Version nicht mehr im Angebot, ab 1986 auch die 11520 Langenau I.E.. Die Kantonslok 11424 Neuchatel hielt sich noch bis 1990 im Lima Programm, dann verschwand auch sie.

Bei der roten Ae 6/6 (106515T) handelt es sich um ein einfach lackiertes Modell (ohne schwarzen Rahmen), welches unter dem Titel “H0-Technology” in einer Anfangspackung zusammen mit 3 SBB-Personenwagen, Trafo und Gleiskreis erschienen ist. Dabei wurde die Beschriftung komplett von der 208046 übernommen. Von dem Modell gibt es Ausführungen mit einem und mit zwei Dachstromabnehmern.

Von der Lima Ae 6/6 gab es außerdem noch eine Kopie der in Hongkong ansässigen Firma Playart. Dabei war das Gehäuse unverändert übernommen worden - auch die Beschriftung. Als Motor kam aber ein ruhig laufender “Can-Motor” (Rundmotor), der drei Achsen antrieb, zum Einsatz. Zumindest die grüne 11493, wie auch die Swiss-Express 11103 sind dabei erschienen. Die letztere war dadurch zu erkennen, dass der hellgraue Streifen an der Dachkante fehlte.

Modellübersicht

Playart-Modell

Betriebsnummer

Bestellnummer

Farbe

Wappen

Depot

Revision

Bauzeit

Bild der Lok

Ae 6/6 11493

208046

grün

Sissach

Bellinzona

13.06.1969

1973 - 1980

Ae 6/6 11493

106515T

rot

Sissach

Bellinzona

13.06.1969

1992

Ae 6/6 11103

208048

orange/weiß

-ohne-

Bellinzona

13.06.1969

1973 - 1985

Ae 6/6 11520

208046

grün

Langnau I.E.

Bellinzona

23.12.1974

1980 - 1986

Ae 6/6 11424

208147

grün

Neuchatel

Basel

13.09.1979

1983 - 1990

Modelldetails

Zu den Details ist u. a. zu sagen, dass es sich natürlich um vereinfachte Modelle gehandelt hat. Die Beschriftung war relativ grob und groß, die Dachaufbauten wie Hauptschalter usw. nur angegossen, die Fenster nur hinterlegt und die an den Drehgestellen befestigten Schienenräumer, die mit diesen ausschwenkten, beeinträchtigten das Erscheinungsbild doch wesentlich. Bei der letzten Version kann man aber auch wieder deutlich eine Verbesserung der Beschriftung ausmachen. Zudem wurde hier das Dach in einem dunkleren silber lackiert, was den Gesamteindruck deutlich verbessert. Hier wurde auch als Dachleitung ein Kupferdraht verwendet, der nicht mehr den Eindruck “Wäscheleine” vermittelte, wie es bei den anderen Modellen durch das rot ummantelte Kabel üblich war.

Das Dach im Original (oben) und ein verändertes Dach mit neuen Pantos und extra Hauptschalter

Das Dach der “Swiss-Express” Version (links)

Interessanterweise hat Lima trotz aller Vereinfachungen des Modells doch auch Details richtig berücksichtigt. So stimmen Loknummern und Wappen überein, bei dem letzten Modell der 11424 Neuchatel wurde sogar richtigerweise “SBB - CFF” statt “SBB - FFS” aufgedruckt. Hier waren auch die Frontfenster mit Nachbildungen von Scheibenwischern versehen. Man sieht, dass trotz Einschränkungen die Limaleute auch auf Kleinigkeiten geachtet haben.

Die verschiedenen Wappen der Lokversionen

Innenleben

Das Innenleben der Lok stellt den damaligen Lima Standard dar. Man erreicht es durch Auseinanderspreizen des Gehäuses. Wo die vier Rastnocken sitzen, sieht man (leider) problemlos von außen, da diese im an diesen Stellen durchbrochenen Gehäuse einrasten. Bei der letzten Version wurden die Rastnocken aber deutlich sichtbar verkleinert und waren nun rund statt eckig. Gehäuse und Fahrgestell sind aus Plastik, in der Mitte der Lok sitzt ein Bleigewicht. Der Lima Rundmotor sitzt auf einem Drehgestell und treibt dort 2 Achsen an (die mittlere Achse wird nicht angetrieben). Zwei Räder sind mit Haftreifen versehen. Die Stromabnahme wird auf die beiden Drehgestelle verteilt, wobei jedoch je Drehgestell nur jeweils von einer Schiene abgenommen wird.

Lima Rundmotor

Obwohl das Antriebssystem bei allen Versionen identisch ist, fällt zumindest bei mir auf, dass die letztgebaute “Neuchatel” bedeutend bessere und leisere Fahreigenschaften zeigt.

Das Innenleben in der Übersicht mit dem großen Bleigewicht in der Mitte des Rahmens

Erstellt: 09.05.2003

Geändert: 28.03.2005