Ein Satz vorweg

Als französischer Hersteller war es klar, dass Jouef zuerst Modelle nach dem Vorbild der SNCF anbot. Doch schließlich wollte man auch weitere Märkte bedienen und das Modell der Re 4/4 der SBB war ein Schritt dazu.

Obwohl das Modell ca. 20 Jahre auf dem Markt war, ist es bei den deutschen Modellbahnern doch eher unbekannt. Hier konnte man ja auf das Modell von Fleischmann zurückgreifen oder auch auf HAG und später zudem auf Lima (wenn auch in einer anderen Version). Das dann viele Jahre später erschienene Modell von Märklin und das noch etwas jüngere Modell von Roco zeigen, dass die Re 4/4 nach wie vor beim Modellbahner auf Interesse stößt.

Also beschäftigen wir uns einmal mit einem der Vorgänger aus den 70ern. Der Re 4/4 II von Jouef.

Das Vorbild

Jouef HO - Re 4/4 II der SBB

Die Jouef 11181 Bourret

Das Vorbild des Jouef Modells stammt aus der 3. abgelieferten Vorbildserie mit den Betriebsnummern ab 11156 ff. Diese Loks waren etwas länger, die Front zur Vergrößerung des Führerstandes etwas mehr abgeschrägt. Zudem kann man sie daran erkennen, dass in der Dachschräge immer zwei große Lüfter zusammen angeordnet sind (frühere Serien vier kleinere Lüfter zusammen).

Die Lokomotiven wurden ab 1969 abgeliefert, wiegen 80 Tonnen und können mit ihrer Leistung von 4.700 kW eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichen. Sie können überall in der Schweiz angetroffen werden und sind noch heute unverzichtbar.

Modellgeschichte

Zur Messe in Nürnberg 1976 stellte Jouef das Modell einer maßstabsgerechten Re 4/4 der SBB vor. Angekündigt wurde das Modell sowohl in grün wie auch in der Farbgebung beige/rot, die nur wenige Maschinen für die Beförderung von TEE-Zügen erhalten hatten. Bereits wenige Monate nach der Ankündigung war das Modell zum günstigen Preis von 55,50 DM (28,38 EUR) erhältlich. Eine Eisenbahnzeitschrift bezeichnete das Modell nach einem ausgiebigen Test damals als “gelungene Neuheit”, wegen dem günstigen Preis, guter Detaillierung und Fahreigenschaften.

Im Jouef Katalog von 1976 waren diese beiden Modelle auch als Zeichnungen enthalten. Zumindest im Katalog von 1981 (evtl. schon 1980) jedoch waren die Modelle der Re 4/4 nicht mehr zu finden.

Sie lebten jedoch nochmals auf. Der Künstler Daniel Bourret gestaltete der SBB im Jahr 1983 die Re 4/4 11181 als Kunstlok. Im Modell verwirklichte dann neben HAG auch Jouef diese außergewöhnliche Lackierung in 1:87 und brachte das Modell als Neuheit 1985 in einer kleinen Auflage. Auch die beige/rote Version kam in der Folge wieder in den Katalog und blieb als einfaches Modell bis 1996 in den Jouef Katalogen.

Die ersten Katalogbilder der Re 4/4 II von Jouef

Ein interessantes Modell ist auch die rote Re 4/4. Dieses Modell konnte ich bisher in keinem Jouef Katalog finden. Die Ausführung des Modells, insbesondere das Revisionsdatum vom 16.11.83, deutet darauf hin, dass auch diese Ausführung zusammen mit der Bourret-Lok und der 2.Auflage der beige/roten Version ca. 1985/86 auf den Markt kam. Evtl. handelte es sich auch nur um eine begrenzte Auflage für den schweizer Markt. Vielleicht haben Sie zu dem Modell noch weitere Informationen.

Modellübersicht

Alte und neue Schachtel von Jouef

Jouef SBB Re 4/4 II

Bestnr .

Nummer

Farbe

Depot

Revision

Bauzeit

Bemerkungen

Foto

8856

11166

grün

Lausanne

R1 Ge 17.12.74

1976 - 1980

 

8857

11160

beige/rot

Basel

R1 Ge 17.12.74

1976 - 1980 und 1985 - 1996

 

8868

11181

bunt

Bern

R1 Yv 23.07.80

1985

Kunstlok “Bourret” (2 Fotos)

8869?

11178

rot

Bern

R3 16.11.83

1985 ?

Lok war evtl. nie im Katalog

Listenwahn von bahnwahn.de

Das Modell

Bei der nun folgenden kurzen Modellbeschreibung darf man nicht vergessen, dass dieses Modell aus dem Jahr 1976 stammt. Aus heutiger Sicht kann es vielleicht als Spiellok für den Junior oder als Basis für eigene Umbauversuche durchgehen, sicher nicht als eine Modelllok. Nach dem damaligen Stand der Herstellung jedoch hatte das Jouef Modell durchaus ein paar nette Details zu bieten und konnte einige Modellbahner finden, die das Modell auf der Anlage einsetzten.

Modelloptik

Das Modell ist 176 mm lang und damit sehr maßstäblich. Das Plastikgehäuse ist gut und vorbildgerecht detailliert. An den Stirnseiten sind Brems- und Heizschläuche extra angesetzt, auch hat das Modell extra angesetzte Griffstangen an den Einstiegen aus einem bruchunempfindlichen Plastik, wenn diese auch etwas dick sind. Die Dachleitungen und Isolatoren sind ebenfalls aus schwarzem Plastik und könnten etwas feiner sein. Die Stromabnehmer sind nur sehr einfache Nachbildungen ohne elektrische Funktion. Die Fensterverglasung ist ein extra Spritzteil, welches insbesondere an den Fronten nicht bündig eingesetzt ist und damit deutlich die Gehäusedicke zeigt.

Gehäuseabnahme

Dachdetails mit den etwas dicken Plastikisolatoren und -leitungen

Die Farbgebung ist einigermaßen vorbildgerecht, wenn auch das Rot der beige/roten Variante etwas sehr nach Himbeerrot aussieht. Dass der weiße Zierstreifen bei der grünen und roten Variante nur seitlich aufgedruckt ist und dann aprupt endet, wirkt störend. Bei diesen drei Modellen ist auch die Aluminiumtrittleiste an der Front nicht eingefärbt. Die Bourret-Variante jedoch hat diese Lackierungen erhalten und im direkten Vergleich fällt dies sehr positiv auf. Scheibenwischer oder die aluminiumfarbene Einfassung der Frontfenster fehlen bei allen Varianten.

Auffällig ist auch, dass Jouef bei der Bourret-Version sogar die seitliche Beschriftung “SBB-FFS”, bzw. “SBB-CFF” erhaben ausgeführt hat, bei den anderen Modellen ist sie nur aufgedruckt.

Der sehr vereinfachte Jouef Stromabnehmer

Das Abheben des Gehäuses ist nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen, daher erst ein paar Worte hierzu, bevor ein paar komische Plastikteile auf dem Arbeitstisch liegen.

An der Unterseite ist eine Schraube zu lösen, welche den Plastikrahmen mit dem Gehäuse verbindet. Dann sind unbedingt die Kupplungen nach vorne herauszuziehen. Das geht am besten, wenn man sie mit einem Schraubenzieher von hinten hinausdrückt. Dann muss man nur noch die 4 Rastnocken erwischen (diese liegen ziemlich genau hinter den am Gehäuse angedeuteten Einrichtungen zum Gehäuseabheben in Natura). Das Gehäuse vorsichtig an diesen Stellen spreizen und hoffen, dass das Fahrgestell nach unten geschüttelt werden kann. Am besten beginnt man auf der Seite des Antriebes, da geht es leichter.

Modelltechnik

Das Innenleben des Jouef Modells

Angetrieben wird das Modell über einen kleinen 5-poligen Motor, der schräg auf ein Drehgestell montiert wurde. Über ein Kunststoffschneckengetriebe und Kunststoffstirnzahnräder werden beide Radsätze angetrieben.Alle vier Räder sind mit Haftreifen versehen. Zur Stromabnahme dient lediglich das andere Drehgestell, was manchmal zu Kontaktproblemen führen kann. Da der Rahmen aus Kunststoff ist, sitzen über den Drehgestellen 2 große Bleigewichte. Die Fahreigenschaften sind selbst aus heutiger Sicht überraschend gut. Die Lok läuft sauber an und ist mit einem leichten Knurren unterwegs. Ansonsten ist das Innenleben spartanisch und sieht noch 2 Glühlampen vor, die je nach Fahrtrichtung leuchten. Allerdings erstrahlt dann der ganze Führerstand, da eine Lichtabtrennung fehlt. Beim Nachtbetrieb wird bei höherer Fahrspannung das Gehäuse durchleuchtet. Hier kann nur schwarze Farbe und das Basteln einer Abtrennung Abhilfe schaffen.

Umbauten/Umbeschriftungen

Links das Antriebsdrehgestell mit dem schräg eingebauten Motor, oben der offene Antrieb von unten gesehen

Auch aufgrund des günstigen Preises kann man das Jouef Modell für kleine Umbauten oder Umbeschriftungen heranziehen. Bei diesem Beispiel von M. Maag wurde die Beschriftung entfernt und dafür der Schriftzug der Mittel-Thurgau-Bahn angebracht. Beim Vorbild lief eine solche Lok unter der MThB Betriebsnummer 21.

Einen weiteren Umbau hat mir Martin Seiler aus der Schweiz zugeschickt. Er hat seine Jouef Bourret mit Teilen von Hag verfeinert. Da reichen als Stichworte Stromabnehmer, Leitungen, Fenster, Griffstangen, Scheibenwischer, Inneneinrichtung. Plötzlich wirkt die gut lackierte Lok gar nicht mehr so billig sondern macht richtig etwas her.

Ein Satz zum Schluss

Wie bereits ausgeführt, ist die Jouef Re 4/4 ein Modell, das beim Erscheinen 1976 als maßstäbliche Nachbildung zu einem günstigen Preis Freunde finden konnte. Heute genügt sie den Ansprüchen natürlich nicht mehr, weshalb Jouef sie auch schon vor einigen Jahren aus dem Programm genommen hat. Ein besonderes Schmankerl war jedoch die Bourret-Version. Sie stellte eine preisgünstige Möglichkeit dar, diese sehr interessante Lok auf die Anlage zu bekommen. Dazu ist bei dieser Ausführung die Lackierung wirklich sehr schön ausgeführt worden.

Hin und wieder kann man das Modell noch bei Internet-Auktionen sehen, teilweise zu günstigen Preisen, wobei aber die Bourret-Version auch schon kleinere Sammlerpreise erreicht.

Erstellt: 14.08.2003

Geändert: 01.05.2006