Vorwort

Aber hallo...Roco 104...was ist das denn? Wie ich in einem Modellbahnforum feststellen konnte, ist manchem Modellbahner die Roco 104 nicht bekannt. Trotzdem hat es dieses Modell gegeben. Ich habe es selber gerade in der Hand gehabt. Grund genug, hier in einem Modellbahnwahn Kurzbericht auf diese Lok einzugehen.

Es gab die Lok nur in einer einzigen Ausführung in der DB Epoche IV mit der angebrachten Computernummer 104 020-3. Es sind keine weiteren Versionen in Epoche III oder DRG erschienen. Auch war die Zeit, welche die Roco 104 im Katalog war, nur sehr kurz. Vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, dass dieses Modell ziemlich unbekannt ist.

Das Vorbild

Roco HO DB 104

Das Modell von der rechten Seite

Als im Jahr 1931 entschieden wurde, in Süddeutschland die Strecke Augsburg - Stuttgart zu elektrifizieren, wurde in der Folge die Baureihe E17 aus der RBD Halle nach Stuttgart umstationiert. Als deren Ersatz wurde eine 1´Co 1´ Lokomotive entwickelt - die E04. Diese leichten Schnellzuglokomotiven für Strecken im Flachland wurden ab Ende 1932 in der Anzahl von 23 Loks ausgeliefert. Nach dem Krieg verblieben 15 Stück bei der DR und 6 Stück (E04 17 - E04 22) bei der DB. Die Lokomotiven E04 04 und E04 13 kamen nicht mehr zum Einsatz. Die Loks, die bei der DR verblieben, wurden zunächst auch in die UdSSR abgefahren und manche waren nach ihrer Rückkehr nur noch als Ersatzteilspender zu gebrauchen.

104 018-7 am 05.09.1981 in Altona

Das Modell

Modellgeschichte

Das erste Modell der E04 kam von der Firma M+F in Gleich- und Wechselstrom auf den Markt. Es war ein Kleinserienmodell und entsprechend war der Preis. Dennoch war dieses Modell schon ausgezeichnet detailliert und fand viele Freunde. Zur Messe Nürnberg 1978 kündigte dann Märklin die 104 als Modell an. Bereits kurz danach war dieses Modell für 126,-- DM (64,42 EUR) im Handel erhältlich. Jedoch wurde dieses Modell ausschließlich für das Wechselstromsystem angeboten, von einer HAMO-Version (Gleichstrom) war nicht die Rede.

So kündigte Roco völlig überraschend bereits im Mai 1978 die E04 in Gleichstrom an. Dabei griff Roco auf das M+F Gehäuse zurück und versah es mit einem eigenen Innenleben. Möglicherweise war die E04 schon in der Schublade gewesen. Als vorgesehener Preis wurde “unter 100 DM” angegeben.

Katalogbild von 1979/1980

Leider war das Modell kein Volltreffer bei den Modellbahnern. Insbesondere die Zugkraft ließ zu wünschen übrig. So war die 104 schon im Roco Katalog von 1980/81 nicht mehr enthalten und erfuhr auch keine verbesserte Neuauflage.

Modellübersicht

Ab November 1978 wurde die Roco 104 ausgeliefert. Sie war auch im Roco Katalog 1979/80 mit einem Modellbild vorhanden. Bei einem großen Nürnberger Modellbahn-Fachgeschäft war die Lok für 95,-- DM zu haben (48,57 EUR). Die unverbindliche Preisempfehlung der Preisliste von Februar 1980 war 102,-- DM (52,15 EUR). Dem Modell lagen weiter Abziehbilder bei, um die Lok in der Epoche III als E04 20 zu gestalten.

Schachtel der Roco 104

Roco 104 der DB

Bestellnr.

Betriebsnr.

Farbe

Bauzeit

Sonstiges

04144S

104 020-3

grün

1978 - 1980

Beschriftung für die E04 20 liegt bei

Modellfoto

Modellgehäuse

Das Modell ist exakt nachgebildet und gut detailliert. Die Dachpartie ist mit allen Leitungen und Laufstegen versehen. Die Stromabnehmer vom Typ SBS 10 vervollständigen das gute Bild. Lediglich das Loch mit der Schraube zur Umschaltung der Stromabnahme stört ein wenig.

Das Gehäuse ist in einem etwas dunklen Grün lackiert, was für die Roco Modelle der Zeit typisch war. Es ist sauber bedruckt und trägt die Beschriftung BD Hannover/BW Osnabrück. Die Griffstangen sind alle angespritzt, was aber auch nicht schlecht wirkt. Der Rahmen ist auch aus Kunststoff und zeigt eine gute Tiefenwirkung und ist teilweise durchbrochen. Die Führerstände sind mit Einrichtung versehen und der Stand 1 ist mit einem Lokführer besetzt. Auch hinter den Maschinenraumfenstern ist die Inneneinrichtung angedeutet, allerdings in einem Braun, was zu hell erscheint, aber mit etwas Farbe leicht zu ändern ist.

Modelltechnik

Das Modell von der linken Seite

Dachdetails mit SBS 10, Leitungen, Laufstegen und der Schraube für die Stromumschaltung in der Bildmitte.

Für einen Blick in die Lok muss zuerst das Gehäuse abgehoben werden. Seitlich ist je Seite eine Rastnase vorhanden. Diese liegt aber nicht mittig, sondern leicht versetzt über dem Indusimagneten. Gehäuse leicht spreizen und abheben.

Die Lok ist mit einem fünfpoligen Motor versehen, der auf der Antriebswellenseite über eine kleine Schwungmasse verfügt. Der Antrieb erfolgt mittels Federkupplung und Kunststoffzahnräder auf die zwei nebeneinander liegenden Radsätze, der innere davon ist mit Haftreifen zur Zugkrafterhöhung versehen. Zur Stromabnahme dienen bis auf einen Vorläufer alle anderen Achsen. Dennoch ist die Lok ziemlich schwach auf der Brust und auch im Modell ein Flachlandrenner für leichte Schnellzüge. Das mag zwar vorbildgerecht sein, kann aber auch enttäuschen, da man von Roco anderes gewöhnt ist.

Die Umschaltung für den Oberleitungsbetrieb ist im Dach und ohne Gehäuseabnahme mittels einer Schraube zu bewerkstelligen. Die Lok verfügt außerdem über Lichtwechsel weiß/rot.

Das Innenleben des Roco Modells

Der Motor mit Schwungmasse und Federkupplung

Tauschrahmen und -antrieb von Verbeck

Ein Manko der Roco 104 waren die Fahreigenschaften. So war es kein Wunder, dass schon bald von der Firma Verbeck ein Tauschrahmen angeboten wurde. Dieser Gussklumpen brachte das Modell dann in Verbindung mit dem Tauschantrieb, der einen Faulhaber Motor beinhaltete, auf knapp 500 Gramm Gewicht. Die Fahreigenschaften waren danach hervorragend. Allerdings war der Spaß nicht ganz billig.

Die Gussmaßhaltigkeit verlangte auch erhebliche Nacharbeiten, denn es waren an einigen Stellen Fräs- und Feilarbeiten notwendig, damit das Gehäuse auch wieder passte. Sven Arved Koch hat sich damals diese Arbeit gemacht und seine Fotos zeigen, wie die Roco 104 nach diesem Umbau von innen aussieht.

Nachwort

Es ist selten, dass ein Modell nur eine so kurze Zeitspanne angeboten wurde, wie die Roco 104. Ich kann nur vermuten, dass das Modell sehr in Eile auf den Markt gebracht wurde, bevor Märklin evtl. mit einer Hamo-104 die Gleichstromer bedienen konnte (was aber damals nicht geschah).

Der nicht ausgewogene Antrieb mit nur geringer Zugkraft und eine leichte Entgleisungsneigung haben Roco wohl bewogen, das Modell schnell wieder vom Markt zu nehmen. Diese Entgleisungsneigung hatte aber auch den Grund darin, dass es vorkommen kann, die Lok falsch aufzugleisen. Die Lok hatte ja bereits eine echte Kurzkupplungskulisse. Gleichzeitig war die Vorlaufachse mit der Einzelachse vorbildwidrig zu einer Art Drehgestell zusammengefasst. Es konnte nun beim Aufgleisen passieren, dass bei entlastetem Drehgestell die Kupplungsdeichsel verschoben und verklemmt wurde. Wurde die Lok dann auf das Gleis gestellt, lag das gesamte Gewicht auf der Vorlaufachse. Die einzelne, nicht angetriebene Antriebsachse hing in der Luft und die beiden Antriebsachsen waren teilentlastet. Zugkraftverlust und Entgleisen waren die Folge. Stellte man die Lok richtig auf das Gleis, fuhr sie auch. Optimieren konnte man die Fahreigenschaften mit dem oben beschriebenen Tauschrahmen und -antrieb von Verbeck, aber das konnte oder wollte sich nicht jeder leisten.

An sich hätte man von Roco eine verbesserte Neuauflage erwartet, dazu ist es jedoch nie gekommen. So ist die Roco 104 heute ein Modell, welches man nur selten sieht, hin und wieder erscheint aber mal eine bei eBay und ist dann durchaus günstig zu bekommen (August 2003: 55 EUR). Immerhin, Sie haben jetzt schon mal einen Eindruck davon bekommen von der 104, die für einen Rocosammler ein Muss ist, der Betriebsbahner aber blickt zu Piko.

Erstellt: 13.08.2003

Geändert: 01.06.2013